Künstliche Intelligenz entfaltet ihr volles Potenzial erst dann, wenn sie auf die richtigen Daten zugreifen kann. In der Praxis scheitert dies jedoch häufig an fragmentierten IT-Landschaften, unterschiedlichen Identity Providern (IdPs) und hohen Sicherheitsanforderungen. Der im IT-Spektrum veröffentlichte Fachartikel von Detlev Altendorf und Stefan Braun zeigt, wie der OAuth-Mechanismus Token Exchange Unternehmen dabei unterstützt, KI-Agenten sicher, flexibel und wirtschaftlich über System- und Sicherheitsgrenzen hinweg einzusetzen.

KI-Agenten benötigen eine eigene Identität

Unternehmen verfügen heute über enorme Menschen wertvoller Daten, die in ERP-Systemen, CRM-Lösungen, Fileservern, Collaboration-Plattformen oder Cloud-Anwendungen verteilt liegen. Gerade für KI-Anwendungen sind diese Informationen von hohem Wert, da sie fundierte Analysen und schnellere Entscheidungen ermöglichen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, diese Datenquellen sicher und kontrolliert miteinander zu verbinden.

Dabei treten KI-Agenten als sogenannte Non-Human Identities (NHI) auf. Damit sie sicher eingesetzt werden können, benötigen sie eine klar definierte Identität sowie gezielt gesteuerte und nachvollziehbare Zugriffsrechte. Der Artikel betont deshalb die Bedeutung eines modernen Machine Identity Managements (MIM), das Identitäten automatisiert verwaltet, Zugriffsrechte nach dem Least-Privilege-Prinzip vergibt und sämtliche Aktivitäten nachvollziehbar macht.

Wenn unterschiedliche Identity Provider zusammenarbeiten müssen

Die meisten Unternehmen arbeiten heute mit einer Vielzahl unterschiedlicher Identitätsquellen – von Microsoft Entra ID über SAP-Umgebungen bis hin zu Partnerportalen oder spezialisierten IAM-Systemen. Jede dieser Plattformen nutzt eigene Authentifizierungsverfahren, Tokenformate und Vertrauensmodelle. Für KI-Anwendungen, die systemübergreifend auf Informationen zugreifen sollen, entsteht dadurch eine erhebliche Komplexität.

Hier kommt Token Exchange ins Spiel. Der nach RFC 8693 spezifizierte Mechanismus fungiert als «Dolmetscher» zwischen unterschiedlichen Sicherheitsdomänen. Vorhandene Tokens werden geprüft und automatisiert in neue, für das jeweilige Zielsystem gültige Tokens «übersetzt». Dadurch können KI-Agenten sicher auf Ressourcen verschiedener Systeme zugreifen, ohne dass bestehende Anwendungen oder Identitätsinfrastrukturen grundlegend verändert werden müssen. Gleichzeitig bleiben Sicherheitszonen klar voneinander getrennt und Autorisierungen können für jeden Zugriff individuell überprüft werden.

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Mehr Sicherheit und Flexibilität bei geringerem Integrationsaufwand

Der grosse Vorteil von Token Exchange liegt in der Kombination aus Sicherheit, Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Unternehmen müssen ihre gewachsene Systemlandschaft nicht auf einen einzigen Identity Provider konsolidieren, um KI-Anwendungen sicher einsetzen zu können. Stattdessen ermöglicht ein Token-Exchange-Server die kontrollierte Zusammenarbeit unterschiedlicher Systeme und Sicherheitsdomänen.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass dieser Ansatz insbesondere für Organisationen interessant ist, die komplexe Informationslandschaften, unterschiedliche Identity Provider und den zunehmenden Einsatz von Non-Human Identities als KI-Werkzeugen miteinander vereinen müssen. Token Exchange schafft die Grundlage für eine identitätszentrierte Architektur, in der KI-Agenten sicher agieren, flexibel auf relevante Informationen zugreifen und gleichzeitig höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen können – ohne aufwendige Anpassungen bestehender Anwendungen.

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