Wer schon einmal den Zugang zum Online-Banking verloren hat, kennt die Situation: neues Smartphone, vergessene Zugangsdaten, Aktivierungscode per Post – und das Konto bleibt für einige Tage digital gesperrt. Genau an diesen Bruchstellen zeigt sich, welches Potenzial eine staatliche E-ID in Kombination mit Self-Sovereign Identity (SSI) im Banking hat. Statt eines abstrakten Digitalisierungsprogramms entsteht eine Identitätsinfrastruktur, die Prozesse messbar vereinfacht, beschleunigt und absichert.

 

Am E-ID- & SSI-Event 2026 skizzierte Stefan Knaus, Senior Consultant beim Business Engineering Institute St. Gallen und Co-Leiter von OpenBankingProject.ch, wie über 40 Finanzinstitute konkrete E-ID- und SSI-Use-Cases entwickeln und erproben. Im Fokus stehen vier typische Situationen aus dem Banking-Alltag: die Kontoeröffnung, die Wiederherstellung des Online-Banking-Zugangs, die Identifikation in der Filiale und neue Zahlungswege im E- und M-Commerce. Der gemeinsame Nenner: Die E-ID wird zum verifizierten «Anker» in einer SSI-Wallet, die Medienbrüche reduziert, manuelle Prüfungen ersetzt und Wartezeiten verkürzt.

Vom Proof of Value zur SSI-basierten Vertrauensinfrastruktur

Ausgangspunkt ist ein mehrstufiger «Proof of Value Nutzung Schweizer E-ID», in dessen Rahmen Banken ihre Rolle im entstehenden SSI-Ökosystem definieren: als Verifier von E-ID-Daten, als Issuer eigener verifizierbarer Nachweise, als potenzielle Wallet-Anbieterin oder als Konsumentin einer neuen, dezentralen Vertrauensinfrastruktur. In diesem Kontext wurden rund 50 mögliche Anwendungsfälle identifiziert und priorisiert – von klassischen Onboarding-Szenarien bis hin zu neuen, datengetriebenen Services.

Eine Umfrage Ende 2025 zeigt, dass die meisten Institute die E-ID und SSI nicht als Randthema verstehen: Viele planen den Einsatz in ausgewählten Prozessen, andere denken bereits darüber nach, selbst Verifiable Credentials auszustellen und so Teil des Ökosystems zu werden. Aufbauend auf dem Proof of Value werden priorisierte Use Cases als Proof of Concept umgesetzt und schrittweise in Richtung produktiver Betrieb überführt. Die zentrale Frage lautet dabei nicht mehr, ob die Technologie funktioniert, sondern ob sie im Alltag spürbaren Nutzen für Banken und Kundinnen und Kunden erzeugt.

Vier konkrete Szenarien mit E-ID und SSI

1. Kontoeröffnung: Onboarding mit verifizierten Identitäten

Bei der digitalen Kontoeröffnung ersetzt eine E-ID in der SSI-Wallet lange Formulare, Ausweisscans und manuelle Prüfungen. Kundinnen und Kunden wählen im Onboarding die Option «Schweizer E-ID», öffnen ihre Wallet und sehen transparent, welche Attribute die Bank anfragt – etwa Personendaten, Wohnsitz und Lichtbild. Nach der expliziten Freigabe werden die verifizierten Daten als Credentials übertragen, ein Liveness-Check verknüpft das E-ID-Lichtbild mit der realen Person vor der Kamera. Das Ergebnis: weniger manuelle Eingaben, weniger Medienbrüche, ein höheres Sicherheitsniveau und ein Onboarding, das sich in wenigen, klar geführten Schritten abwickeln lässt.

2. Online-Banking wiederherstellen: Re-Identifikation ohne Papier

Für die Re-Identifikation im Online-Banking wird die Kombination aus E-ID, Wallet und biometrischem Check besonders greifbar. Heute führen Passwort-Resets und Gerätewechsel häufig zu Aktivierungsbriefen und mehrtägigen Unterbrüchen. Im SSI-Szenario wählen Kundinnen und Kunden beim Wiederzugang die E-ID-Option, geben über die Wallet ausgewählte Attribute wie Name, Vorname, Geburtsdatum und Lichtbild frei und bestätigen ihre Postadresse. Ein Liveness-Check stellt sicher, dass die richtige Person den Prozess durchführt. Der Zugang lässt sich in Minuten wiederherstellen – mit einem Sicherheitsmix aus Wissen, Besitz (Wallet/E-ID) und Biometrie und deutlich weniger Aufwand auf Bank- und Kundenseite.

3. Filialbesuch: Identifikation per Wallet statt Ausweis-Abtippen

Für die Re-Identifikation im Online-Banking wird die Kombination aus E-ID, Wallet und biometrischem Check besonders greifbar. Heute führen Passwort-Resets und Gerätewechsel häufig zu Aktivierungsbriefen und mehrtägigen Unterbrüchen. Im SSI-Szenario wählen Kundinnen und Kunden beim Wiederzugang die E-ID-Option, geben über die Wallet ausgewählte Attribute wie Name, Vorname, Geburtsdatum und Lichtbild frei und bestätigen ihre Postadresse. Ein Liveness-Check stellt sicher, dass die richtige Person den Prozess durchführt. Der Zugang lässt sich in Minuten wiederherstellen – mit einem Sicherheitsmix aus Wissen, Besitz (Wallet/E-ID) und Biometrie und deutlich weniger Aufwand auf Bank- und Kundenseite.

4. A2A-Zahlungen: Vertrauensketten mit Verifiable Credentials

Der vierte Use Case zeigt, wie weit SSI über die reine Identifikation hinausgeht. Account-to-Account-Zahlungen werden über verifizierbare Credentials abgesichert: Händler und Bank sind Teil derselben Vertrauensinfrastruktur, Zahlungsaufforderungen und Bestätigungen liegen als signierte Nachweise vor, im Hintergrund läuft eine SIC-Zahlung. Weil beide Unternehmen eindeutig registriert und identifizierbar sind, sinkt das Betrugsrisiko deutlich. Gleichzeitig entsteht eine Basis für neue Payment-Prozesse, bei denen Vertrauen nicht mehr über zusätzliche Kanäle oder proprietäre Lösungen aufgebaut werden muss, sondern über standardisierte digitale Vertrauensketten.

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Adoption als Erfolgsfaktor: Kundennutzen im Fokus

Technisch sind E-ID, SSI-Wallets und Verifiable Credentials ein grosser Schritt. Entscheidend ist aber, ob Kundinnen und Kunden einen direkten Mehrwert erkennen. Sie nutzen die E-ID nicht, weil sie Teil eines SSI-Ökosystems ist, sondern weil sie damit schneller ein Konto eröffnen, sofort wieder ins Online-Banking kommen oder sich in der Filiale unkompliziert ausweisen können. Für Banken heisst das: E-ID und SSI sollten nicht als zusätzliche Option tief im Prozess versteckt werden, sondern dort sichtbar sein, wo heute Reibung entsteht – bei wiederholten Dateneingaben, Wartezeiten auf Briefe oder unsicheren Zahlungsabläufen.

Fazit und Ausblick: Von der E-ID zum SSI-Ökosystem

Der Beitrag von Stefan Knaus macht deutlich, dass die Schweizer E-ID im Zusammenspiel mit SSI im Banking bereits konkret gedacht wird. Mehr als 40 Institute arbeiten an Anwendungsfällen, die vom Onboarding über Re-Identifikation bis zu neuen Zahlungswegen reichen. Besonders spannend sind die Szenarien, in denen Kundinnen und Kunden alltägliche Hürden überwinden – ohne Ausweisdaten abzutippen, ohne Aktivierungsbrief, ohne Medienbruch in der Filiale. Gelingt es, diese Use Cases konsequent umzusetzen, wächst aus der E-ID mehr als ein digitales Ausweisdokument: eine SSI-basierte Vertrauensinfrastruktur, die einfacheres, sichereres und nutzerzentriertes Banking ermöglicht.

Mehr Einblicke zum E-ID- & SSI-Event 2026

Der Vortrag von Stefan Knaus war Teil eines ganztägigen Programms mit Expert:innen aus Verwaltung, Finanzbranche, Gesundheitswesen und Technologie. In der ausführlichen Nachlese erfahren Sie, wie E-ID, SSI und Wallets zusammenspielen und welche Chancen sich daraus für Unternehmen in der Schweiz und in der EU ergeben.

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